Regeln vs. Fluff und ein Killteam

Ah, die epische UND ethische Schlacht.

Worum geht es heute?

Wie im letzten Beitrag angekündigt, will ich mir ein (paar) Killteam(s) zulegen. Das Killteam System an sich ist ne tolle Sache: 200 Punkte, keine Terminatoren (okay, das tut mir weh, aber was soll’s) oder andere Figuren mit 2+ Rüstungswurf, keine Fahrzeuge die nen gewissen Panzerungswert überschreiten und so weiter. Tatsächlich wird mit der Einschränkung und dem Punkelimit so ziemlich alles erschlagen was zu nervig ist (Diverse Tau Battlesuits und Deathstars). Man wählt einfach etwas aus dem Elite / Standard / Sturm Slot aus und tadaa: 40k in 40 Minuten.

Mit solchen kleinen Teams spielt man dann Missionen, die vielleicht hinter feindlichen Linien stattfinden. Wer denkt da nicht an kleine Elite-Teams aus diversen Filmen? Für 200 Punkte bekommt man im klassischen Chaos Space Marine Codex ein paar echt tolle Optionen für dieses Feeling – namentlich erwähnt sollen hier die Auserkorenen sein.

Stellen wir uns doch mal vor, dass wir ein böser, böser Chaosgeneral sind. Und stellen wir uns weiter vor, dass es da etwas gibt, das erledigt werden muss. Es ist wichtig, es ist blutig und ich kann nicht selbst gehen und ich habe auch keine Möglichkeit schwere Dinge wie Cybots, Termies oder ähnliches einzusetzen. An wen also wenden wir uns? Doch sicherlich an die Jungs, die die Veteranen meiner Armee sind. Die Truppen, die schon auf Istvaan mit mir angestoßen haben und meinen inneren Kreis bilden.

Und das sind für mich die Auserkorenen: Abgebrühte Veteranen unzähliger Schlachten. Die Vertrauten eines Chaosgenerals und die Elite, die er losschickt, wenn er will, dass irgendwem demnächst ein echtes Unglück passiert.

Versuchen wir also den Fluff in Regeln zu übersetzen:

Auserkorene mit Granaten, Bolter, Boltpistole und Nahkampfwaffe (7x)

Champion mit Granaten, Bolter, Boltpistole und Nahkampfwaffe (1x)

Mal des Khorne (8x)

Melta (1x)

Plasmawerfer (1x)

Lightning Claw (1x )

 

Macht genau 200 Punkte. Yay! Und es sind 8 – ein Zeichen! (Für die, die es nicht wussten: 8 ist die heilige Zahl Khornes.) Ich habe einen Champion, der das Team anführt und das Vertrauen seines Generals verdient hat. Ihm zur Seite steht ein Meisterschütze mit einem Plasmawerfer, ein Nahkämpfer mit einer Energieklaue und ein… keine Ahnung was ich mit dem Melta-Burschen mache, aber da fällt mir sicher auch noch was ein, gleich nachdem ich meinen Evilgasm hatte und mein bestes wahnsinniges Lachen anstimmen konnte – oder bis ich einen „Taktikartikel“ im Internet lese. Leider tat ich letzteres. Versteht bitte die Anführungszeichen um den „Taktikartikel“ nicht falsch, denn im Prinzip schrieb der gute Mann da nichts Verkehrtes, aber er schrieb nur über Regeln und deren effizienter Nutzung. Das Konstrukt drum herum, die Idee davon ein erzählerisches Spiel aufzuziehen, scheint er zumindest ausblenden zu können.

Das Meta-Play schlägt zurück

In dem Artikel ging man wie gesagt total anders an das Thema ran. Okay, das kann ich auch, man war ja mal Turnierspieler. Setzen wir also die Min-Max-Brille auf und interessieren wir uns nur mal für die maximale Effizienz der Einheit.

Ich persönlich – und auch der Autor des Taktikartikels – würde an der Stelle nach der Maxime gehen: Boys over Toys!

Also streichen wir das Mal des Khorne und den Melter, dann bekommen wir einen zusätzlichen Mann rein. Macht 9 Auserkorene und 8 Punkte über, für die man vielleicht nen Flammenwerfer bekommt.

Gut, nächster Schritt: Nehmen wir die 9 Auserkorenen und treten sie in die Tonne, denn das was 8 Auserkorene können, können auch 12 Chaos Space Marines mit 2 Plasmawerfern. Der „Nahkampfspezialist“ bekommt zu seinem Bolter und seiner Boltpistole noch ne Nahkampfwaffe und ich hab noch 2 Punkte über.

Ich könnte auch 10 CSM nehmen, einer mit Nahkampfwaffe, einer mit Melter und der Trupp bekommt einen Rhino mit nem Havok Rakentenwerfer spendiert.

Gut… die beiden Varianten könnte ich noch mit meinem Gewissen vereinbaren. Aber wenden wir uns doch mal der anderen Standardauswahl zu – den gefürchteten Kultisten!

Kultisten? Ja, klar. Kennt man. Das ist dieses Kanonenfutter… Billig und man kann die Einheiten recht groß machen und… ooooooh, spätestens jetzt geht uns ein Lichtlein auf. In 200 Punkte steck ich nämlich 40 Kultisten rein und hab noch Punkte über. Die Jungs können so gut wie nichts und sterben wie die Fliegen, aber es sind 40 Stück!

Während mein Killteam „Fluffbunnys“ nach 4 Verlusten wohl den … äh… taktischen Rückzug antreten wird, juckt das die Kultisten mal so ziemlich gar nicht. Man verschwendet an sie keine unnötigen Punkte für solche „fluffigen“ Sachen wie einem Mal des Khorne. Wenn es jetzt ein Mal des Nurgle wäre, könnte man darüber nachdenken. Gibt immerhin +1 auf den Widerstand. Kultisten mit Widerstand 4 – das ist ne Hausnummer.

Aber welcher General schickt bitte ne Horde Kultisten in den Kampf? Das machen doch nur diese Weicheier von den Word Bearers, oder die Alpha Legion. Wobei ich da eigentlich auch eher eine gemischte Gruppe sehen würde. Ein paar Kultisten, die an der Seite ihrer genetisch modifizierten Halbgötter auf die Mission gehen um da als Ablativschild zu dienen. Und Kultisten mit dem Mal des Nurgle? Seit wann schickt die Deathguard Seuchenzombies um die Arbeit echter Krieger zu erledigen?

Mist, ich bin schon wieder in den Fluff abgedriftet. Es sollte doch nur darum gehen, ob man was auf dem Spielfeld damit reißen kann und nicht um so perverse Dinge wie Hintergrund.

Stopp!

An dem Punkt verliere ich nämlich regelmäßig das Interesse am Spielen. Wenn ich effektiv spielen will, sollte ich schon mal die Finger von Chaos Space Marines lassen, denn die sind zu teuer, haben Probleme mit dem Moralwert und so fort.

Spieler, die ihren Fokus auf diese Dinge legen, haben mich dazu gebracht eine sehr ausgedehnte Pause in 40k einzulegen. Ich möchte sie nicht dafür verurteilen. Es gehört durchaus etwas dazu diese Kombos zu erkennen, die sich gegenseitig Buffen und jemand, der es ohne Hilfe einer Internetliste schafft eine Deathstar-Armee zusammenzunageln, hat durchaus Respekt verdient. Es ist nur nicht meine Art zu spielen. Gewinnen macht Spaß – das verstehe ich. Aber richtig Spaß machen doch die Spiele bei denen Ausgang bis zur letzten Runde offen bleibt. Bei denen man sich auf Augenhöhe mit seinen Kämpfern begibt, coole Szenen hat, über die man hinterher noch spricht. Hat man leider nur so selten, aber man erinnert sich daran.

Werde ich nun also 40 Kultisten anmalen? Oder stelle ich ein paar Chaos-Jungs auf nem Moloch hin und sage: „Jaja, regeltechnisch sind das zwar Biker mit dem Mal des Nurgle, aber flufftechnisch sind es einfach nur Molochreiter, die ich mit diesem Kniff darstelle.“?

Ein Wort: Nein.

(Diese „ein-Wort-Antworten“ auf meine eigenen rhetorischen Fragen ziehen sich durch…)

Ich werde mir ein paar Auserkorene zusammenstellen und vielleicht das 10-Mann-Team mit einem Rhino, aber da muss ich nochmal Rücksprache mit meinem Fluff halten. World Eaters ohne ein Mal des Khorne?

Nah, ich glaube das ist Stoff für einen eigenen Artikel.

Bis dahin – mögen euch die Würfel gewogen sein (solange ihr nicht gegen mich spielt)!

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .